Artikel 1 Absatz 1 – Die Würde des Menschen ist unantastbar…/ Artikel 2 Absatz 2 – Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit…(Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vom 23.05.1949)
Dieses Einzel-Intensivtraining wendet sich
über einen Zeitraum von 3-4 Monaten
an Menschen,
die körperliche und/oder
seelische Gewalt ausüben
und derzeitig über eine Gruppenarbeit nicht erreichbar sind.
Leitbild
Jeder Mensch ist entwicklungsfähig, lernfähig und friedensfähig. Seine unendlichen negativen wie positiven Fähigkeiten sind Abbild seiner Lebenserfahrungen. Es gibt keine Heilung ohne Verletzbarkeit.
Durch die Beziehung zum eigenen Schmerz kann die andere Seite erreicht werden, nämlich die Freude und der Mut zur Veränderung.
Vorwort
Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer dem Trainingsprogramm, das auf einem lerntheoretisch-kognitiven Paradigma basiert, inhaltlich und sprachlich folgen können. Für Personen mit Suizidgefährdung, aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Alkohol- und Drogenabhängige sowie für Mitglieder der organisierten Kriminalität ist das Trainingsprogramm nicht geeignet. Ebenso für Konflikttäter, die einmalig im Affekt eine Gewalttat begangen haben.
Der zeitliche Rahmen eines Anti-Agressivitäts-Trainings ist so zu gestalten, dass
- durch den Beziehungsaufbau ein konstruktives Arbeitsbündnis zwischen Teilnehmer und Trainer geschlossen wird,
- eine angemessene individuelle Betreuungsintensität gewährleistet wird sowie
- Einsicht in die Notwendigkeit von Verhaltensänderungen und die entsprechende Einübung ermöglicht wird.
Zu Beginn wird der Teilnehmer durch Tätergespräche, erlebnispädagogische und beziehungsaufbauende Elemente, eine interessante, spannende und konfrontative Sitzungsgestaltung sowie durch den Einsatz von Co- Trainer (beispielsweise Ex- Schlägern oder friedfertigen Kampfsportlern) für das Training motiviert.
Sekundäre Behandlungsmotivationen wie richterlicher Druck, drohender Schulverweis, drohender Widerruf oder anstehende Gerichtstermine sollen einer primären Motivation weichen.
Im Rahmen der Täterbehandlung können Berührungen bzw. Körperkontakte in Rollenspielen zur
- systematischen Desensibilisierung,
- der Aufmerksamkeitsherstellung,
- der Darstellung der Opferperspektive,
- eines einfühlsamen Nähe- oder
- eines gezielten Deeskalationstrainings durchaus sinnvoll und notwendig sein.
Das Trainingsprogramm umfasst die Elemente:
- Einzelinterview (1:1 Befragung)
- Analyse der Aggressivitätsauslöser
- Tatkonfrontation und Provokationstest auf dem „Heißen Stuhl“
- Opferbriefe, Opferfilme und Opferaufsätze zur Sensibilisierung für das Opferleid
- Distanzierungsbrief zur Gewalt an die Clique
- Aspekte des Attraktivitätstrainings
Die Trainerpersönlichkeit wurde in dessen Ausbildung intensiv in ihrer Affektkontrolle geschult, um auch in extremen Belastungssituationen souverän, einfühlsam und affektlogisch antagonistisch agieren zu können. Dem Training liegt ein optimistisches Menschenbild zugrunde.
Die Trainer akzeptieren den Teilnehmer als Person, lehnen aber gleichzeitig seine Gewaltbereitschaft massiv ab (there is no bad boy).
(Quelle: Auszüge aus den AAT/CT® Qualitätsstandards)
KONFRONT
setzt an bei der Gewaltprävention mit Einzelklienten.
Dabei spielt die konfrontativ definierte Pädagogik eine zündende Rolle, weil sie das geeignete Stilmittel ist, Konflikte nicht unter den Tisch zu kehren, nicht weg zu sehen. Dem Unrecht und der Unkorrektheit zuzusehen dagegen, heißt Erlauben, heißt Zustimmen. Es wird in der Geisteshaltung also darum gehen, aufmerksam, hinweisend und draufzeigend zu sein, sich einzumischen und der Gewalt auf die Finger zu schauen. Dadurch entsteht Konfrontation, und das bedeutet auch Schmerz. Eine empathische und authentische Begleitung eines Klienten durch den Pädagogen geht durch Höhen und Tiefen und ist gebunden an das Gebot des gegenseitigen Respekts. Konfrontative Auseinandersetzung zeigt nicht nur die Defizite und Grenzen des Klienten, sondern auch diejenigen des Pädagogen. Es geht dabei allerdings um die unterschiedlichen Gründe und Bedingungen. Begleitung ist auch Leitung und hat Vorbildfunktion. Und wenn der Pädagoge, der vehement, behutsam und bestimmt auf die Wunden zeigt und in diese Leitrolle geht, das Thema Aggressivität auf die Tagesordnung bringt, dann geschieht das in einem curricular und didaktisch/ methodisch gesteuerten Prozessrahmen. Das Setting lebt vom intensiven und individuellen Interventionsrahmen. Es geht um Klienten, die in keiner Gruppe mehr tragfähig und erreichbar oder auf dem Sprung in die Psychiatrie sind. Da gibt es einen Pädagogen und einen Klienten, zunächst. Und sonst nichts. Der Klient wird zurückgeworfen auf diese enge und bewusst intendierte Beziehung. Konfrontation spielt sich bewusst in einem begrenzten System ab. Dieses Individualtraining lebt und profitiert von der isolierten geografischen Lage des kooperierenden Betreuungsprojektes und, weil durch die Einzelkonfrontation ein Nicht-Ausweichen-Effekt stattfindet. Nach dem Abschluss dieses Einzelkompetenztrainings, wird es im Zuge der Reintegration weiter gehen in Richtung mehr Außen-Realitätserfahrung.
Dann können im Erleben gesellschaftlich relevanter Sozialgefüge neue pädagogische oder therapeutische Gruppensettings installiert werden.
